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Bücher & Wissen · 15.09.2026

Changa von Markus Berger: das einzige deutsche Buch zum Thema

Aufgeschlagenes altes botanisches Buch mit Pflanzenzeichnungen auf einem Holztisch, daneben Schalen mit Kräutern, dahinter tropisches Grün

Es gibt Bücher, die liest man an einem Abend durch und trägt sie dann wochenlang mit sich herum. Dieses hier ist so eines.

128 Seiten, ein Format, das in jede Jackentasche passt, ein Titel, über den sich streiten lässt – und darin mehr belastbares Wissen über Changa als im gesamten deutschsprachigen Internet zusammen. Wer einmal versucht hat, sich online über dieses Thema zu informieren, weiß, wovon wir reden: Foren, in denen sich Halbwissen im Kreis zitiert, Blogbeiträge, die voneinander abschreiben, und dazwischen viel Behauptung.

Und dann kommt Markus Berger und legt ein Büchlein hin, das einfach nur sortiert, was Sache ist.

Ein Autor, der sein Thema von innen kennt

Berger ist Ethnobotaniker, Ethnopharmakologe und Pharmakobotaniker – also jemand, der gelernt hat, wie Pflanzen und ihre Wirkstoffe funktionieren. Er ist außerdem Chefredakteur von Lucy's Rausch, dem einzigen deutschsprachigen Magazin, das dieses Feld ernsthaft und dauerhaft begleitet.

Wer wissen will, wie dieser Mensch tickt, muss nur die Danksagung auf Seite 5 lesen. Da bedankt er sich bei seiner Frau, beim Verleger, bei den Ethnologen Claudia Müller-Ebeling und Christian Rätsch – und dann bei einer Runde Freunde, die er die „Cosmic Clown Psychonauts“-Posse nennt. Einer davon heißt bei ihm Steve „totally“ Stoned.

Das ist keine Attitüde, das ist einfach seine Welt. Und genau deshalb funktioniert das Buch: Berger schreibt nicht über eine Szene, er schreibt aus ihr heraus – aber mit dem Werkzeugkasten eines Fachmanns. Diese Kombination ist selten. Meistens hat man das eine oder das andere.

Ein Ding mit Geburtsdatum

Das schönste Kapitel steht gleich am Anfang, und es räumt mit einem Missverständnis auf, dem fast jeder aufsitzt.

Changa ist keine alte Tradition. Kein Amazonaswissen, keine Jahrtausende, keine Schamanenlinie. Es ist eine Erfindung mit Datum: Der Australier Julian Palmer entwickelte den Blend 2003/2004 und gab ihm seinen Namen. Das ist jünger als das erste iPhone.

Man muss sich das einmal vor Augen führen. Da denkt sich jemand am anderen Ende der Welt etwas aus, und zwanzig Jahre später gibt es das auf jedem Festival zwischen Portugal und Polen, es gibt Rituale darum, eine eigene Ästhetik, Streit über die richtige Zubereitung. Eine Tradition, die vor unseren Augen entsteht – so etwas kann man sonst nur in Geschichtsbüchern nachlesen.

Und dann kommt die Stelle, bei der wir beim Lesen laut gelacht haben: Berger schreibt hin, dass Palmer selbst den Untertitel des Buches für falsch hält. Changa sei keine „rauchbare Evolution des Ayahuasca“, sondern eine eigenständige Weiterentwicklung des DMT-Rauchens. Der Erfinder widerspricht dem Titel – und der Autor druckt es ab.

Wer so etwas stehen lässt, will verstanden werden und nicht recht haben. Das nimmt einen sofort für das Buch ein.

Ein Kapitel, mit dem wir nicht gerechnet haben

Ab Seite 115 wird es für uns richtig interessant, und zwar aus einem Grund, den wir beim Aufschlagen nicht erwartet hätten. Berger dokumentiert dort Blend-Varianten aus der Szene – und etliche davon arbeiten mit Steinessenzen. Rosenquarz. Rauchquarz. Kyanit. Daneben Palo Santo, weißer Salbei, Copal.

Irgendwo auf der Welt sitzen also Leute und stimmen ihre Mischungen nach Steinen ab. Für einen Laden, der Heilsteine und Räucherwerk führt, ist das eine hübsche Überraschung.

Bergers Kommentare dazu sind das Beste daran. Er referiert die Rezepturen brav, und wenn eine Mischung angeblich „den Planeten Erde reflektiert“, merkt er trocken an, dass er den Zusatz für unnötig hält. Beim Tabak in einer anderen Mischung findet er die Verwendung fragwürdig. Er lässt die Szene reden und sagt dann höflich, was er selbst davon hält. Genau so macht man das.

Ein Buch, das auf seine Leser aufpasst

Ab Seite 121 wird Berger ernst, und das rechnen wir ihm hoch an.

Er listet auf, wer die Finger davon lassen sollte: Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Menschen mit psychotischen Problemen, und vor allem alle, die Antidepressiva oder Antipsychotika nehmen – weil MAO-Hemmer mit diesen Medikamenten gefährlich zusammenwirken können. Er schreibt, was im Notfall zu tun ist. Er erklärt die Rechtslage, ohne sie schönzureden.

Am meisten hängen geblieben ist uns aber ein kurzer Abschnitt mit der Überschrift Unwissenden Drogen geben. Berger erzählt darin von einem Festivalbesucher, dem jemand eine Pfeife in die Hand drückte, ohne zu sagen, was darin war. Der Mann wusste nicht einmal, was ihm geschah. Berger nennt das ethisch und moralisch nicht vertretbar – ohne Wenn und Aber, in einem Buch, das sich an eine Szene richtet, in der so etwas vorkommt.

Dass ein Autor seinen eigenen Leuten so deutlich ins Gewissen redet, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist der Moment, in dem man merkt: Dem geht es wirklich um die Menschen, nicht um die Substanz.

Die Berichte

Visionäre Darstellung eines kristallinen Gewölbes mit geometrischen Mustern und Lichtpunkten
Kristalline Räume, Tunnel, wiederkehrende Muster: Was Menschen in diesen Minuten erleben, ähnelt sich über alle Berichte hinweg erstaunlich.

Gut zwanzig Seiten des Buches bestehen aus Erfahrungsberichten, durchnummeriert, unkommentiert, in der Sprache derer, die sie geschrieben haben. Da ist von Wesen die Rede, von Tunneln, von Räumen aus Kristall, von Mustern, die sich über Teppichböden legen.

Man liest das mit offenem Mund. Nicht weil es schön geschrieben wäre – es ist teilweise ziemlich roh –, sondern weil sich diese Schilderungen so auffällig ähneln, obwohl die Leute nichts voneinander wissen. Das ist der eigentliche Reiz dieses Kapitels.

Nur eines sollte man dabei im Kopf behalten: Es sind persönliche Berichte, keine Studien. Sie zeigen, was Menschen erleben, nicht warum. Berger stellt sie hin und lässt sie für sich stehen – und ein Satz mehr zur Einordnung hätte ihnen gutgetan.

Die eine Stelle, an der wir gestockt haben

Im Kapitel über Changa als Lebenshilfe steht die Geschichte eines akut suizidgefährdeten Menschen, dem Changa geholfen haben soll. Eine große Behauptung, und Berger schreibt selbst dazu, dass die Quelle – ein Bericht aus dem Netz – heute nicht mehr auffindbar ist.

Beim ersten Lesen hat uns das gestört. Beim zweiten haben wir gemerkt, dass er es auch einfach hätte weglassen können. Niemand hätte es bemerkt. Er hat die Lücke hingeschrieben, statt sie zu kaschieren – und damit dem Leser die Entscheidung überlassen, wie viel er darauf gibt.

Das ist am Ende genau die Haltung, die dieses Buch durchzieht: lieber eine unbequeme Wahrheit als eine glatte Geschichte.

Was wir hier nicht wiedergeben

Das Buch behandelt auch Herstellung und Extraktion, eingeleitet von Bergers Erklärung, dass die Darstellung dokumentarischen Zwecken dient, verbunden mit deutlicher Kritik an der Drogenpolitik.

Wie man dazu steht, muss jeder mit sich ausmachen. Für uns ist die Sache einfach: Aus diesen Kapiteln geben wir nichts wieder. Keine Rezepturen, keine Mengen, keine Bezugsquellen. Wer eine Anleitung sucht, ist auf dieser Seite an der falschen Adresse – und das bleibt auch so.

Und damit es keine Verwechslung gibt

Keramikschale mit getrockneten Blättern und Rindenstücken auf einem Holztisch, dahinter tropischer Wald mit Wasserfall
Blätter, Rinde, getrocknete Kräuter: Das ist die Grundlage, auf der unsere Räuchermischungen aufbauen – ohne den Wirkstoff, um den es im Buch geht.

Weil unsere Mischungen denselben Namen tragen, sagen wir es lieber einmal zu oft.

Das Changa, das Berger beschreibt, ist eine Mischung aus einer MAO-hemmenden Pflanzenkomponente und einem DMT-haltigen Extrakt. N,N-DMT steht in Deutschland in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes. Besitz, Erwerb und Handel sind strafbar, und Berger selbst widmet dem ein eigenes Kapitel.

Unsere Changa Blends sind etwas anderes: reine Räuchermischungen auf Kräuterbasis, typischerweise aus Banisteriopsis caapi und Damiana. Sie enthalten kein DMT und keinen anderen Stoff, der dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt. Wir verkaufen sie als Räucherwerk und Raumduft, nicht zum Verzehr, und nur an Erwachsene.

Der Name spielt auf die Kräutergrundlage an, nicht auf die Substanz aus dem Buch. Wer bei uns etwas anderes erwartet, wird enttäuscht – und das soll er auch.

Für wen sich das Buch lohnt

Person sitzt bei Sonnenaufgang am Ufer eines nebligen Bergsees und blickt auf das Wasser
Ein Buch, das erklärt statt zu predigen – und einen dabei nicht für dumm verkauft.

Für alle, die neugierig sind, wie aus einer Idee in Australien binnen zwanzig Jahren eine weltweite Praxis werden konnte. Für alle mit einem Faible für Ethnobotanik, für Pflanzen und ihre Geschichten. Und für alle, die im Freundeskreis damit konfrontiert werden und lieber Bescheid wissen wollen, als sich auf Forenwissen zu verlassen.

Wer dagegen eine spirituelle Einführung sucht, wird hier nicht fündig. Berger erklärt, er predigt nicht. Für die andere Seite ist Michael Pollan die bessere Wahl, oder unser Beitrag über DMT und die Zirbeldrüse.

Die Daten

  • Titel: Changa – Die rauchbare Evolution des Ayahuasca
  • Autor: Markus Berger
  • Verlag: Nachtschatten Verlag, Solothurn (Reihe Smart-Book)
  • Erstauflage: 2015; die von uns gelesene Ausgabe ist eine spätere, aktualisierte Auflage mit Quellen bis 2017
  • Umfang: 128 Seiten, 22 Kapitel, mit ausführlichem Literaturverzeichnis
  • Taschenbuch: ISBN 978-3-03788-356-3
  • eBook: ISBN 978-3-03788-502-4, im Handel um 7,49 €
  • Mit einem Gastbeitrag von Roberdo Raval über Changa auf Psytrance-Festivals

Wir führen das Buch nicht selbst – es ist über den Buchhandel und den Verlag erhältlich. Was bei uns im Regal steht, findest du in der Bücher-Kategorie.

Fazit

Für sieben Euro fünfzig bekommt man hier etwas, das im deutschsprachigen Raum kein zweites Mal existiert: einen Fachmann, der ein junges, unübersichtliches Thema geordnet hat, ohne es zu verklären und ohne es kleinzumachen.

Es ist kein dickes Buch. Es will auch keins sein. Aber es ist eines von der Sorte, bei der man beim Zuklappen das Gefühl hat, ein Stück klarer zu sehen als vorher – und genau dafür liest man ja.

Unsere Changa Blends, die Kräutermischungen, findest du im Shop. Und wenn du beim Räuchern gerade erst anfängst, nimm unsere Anleitung zum Räuchern mit Weihrauch als Einstieg – da kann am wenigsten schiefgehen.

Hinweis: N,N-DMT unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz (Anlage I). Dieser Beitrag bespricht ein Sachbuch und dient der Information. Er ist keine Aufforderung zum Konsum und enthält bewusst keine Angaben zu Herstellung, Dosierung oder Bezug. Unsere Räuchermischungen enthalten keine dem BtMG unterliegenden Stoffe und sind nicht zum Verzehr bestimmt.

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